Nominalisierung

Bei der Nominalisierung eines Wortes wird ein Wort aus einer anderen Wortart in ein Nomen umgewandelt. In diesem Artikel lernst du, welche Wortarten nominalisiert werden können und wie du ein nominalisiertes Wort erkennst.

Was ist eine Nominalisierung?

Wörter der Wortarten Verben, Adjektive, Präpositionen, Adverbien und Pronomen können nominalisiert werden. Das bedeutet, dass sie in ein Nomen verwandelt werden können. Dieser Vorgang wird auch Substantivierung genannt. Das nominalisierte Wort erhält dann einen Artikel und einen großgeschriebenen Anfangsbuchstaben.

Der Unterschied zwischen Nominalisierung und Verbalisierung

Die Nominalisierung beschreibt die Umformung eines anderen Wortes in ein Nomen. Deshalb steckt in dem Begriff Nominalisierung auch das Wort Nomen. Die Verbalisierung funktioniert ähnlich wie die Nominalisierung, allerdings wird hier ein Wort aus einer anderen Wortart in ein Verb verwandelt.

Beide Begriffe beschreiben also die Umwandlung eines Wortes in eine andere Wortart und sie unterscheiden sich nur in der Wortart, die gebildet wird.

Nominalisierung Beispiele

Jedes nominalisierte Wort erhält einen Artikel und einen großen Anfangsbuchstaben. Aber trotzdem können bestimmte Wortarten auf unterschiedliche Arten nominalisiert werden. Für die Nominalisierung jeder Wortart gibt es einige Regeln, die du beachten musst. Im Folgenden findest du Beispiele für die Regeln der Nominalisierung von allen möglichen Wortarten. 

Die Nominalisierung von Verben

Verben können auf verschiedene Arten nominalisiert werden. Dabei kann der Infinitiv (Grundform) eines Verbs verwendet werden oder das Wort wird mit einer bestimmten Endung oder Vorsilbe kombiniert.

Bei der Nominalisierung des Infinitivs erhält das Verb einen neutralen Artikel und einen großen Anfangsbuchstaben.

Beispiele
➡️ schwimmen → das Schwimmen
➡️ laufen → das Laufen
➡️ singen → das Singen

Ein Verb kann zusätzlich durch die Ergänzung der Endungen –ung, –er und –erei nominalisiert werden.

Beispiele
➡️ laufen → die Lauferei
➡️ liefern → die Lieferung
➡️ malen → der Maler

Eine weitere Möglichkeit ein Verb zu nominalisieren ist die Verwendung der Vorsilbe Ge-. Hier verändert sich die Endung der ursprünglichen Verben.

Beispiele
➡️ laufen → das Gelaufe
➡️ rennen → das Gerenne
➡️ singen → der Gesang

🎓 Merke
Häufig wird die Vorsilbe Ge- nur umgangssprachlich verwendet. Außerdem wertet sie die nominalisierte Handlung ab. Das bedeutet, dass diese Vorsilbe meistens in einem Kontext verwendet wird, in dem der Sprecher genervt ist (z. B. Gerede). Es gibt allerdings auch Fälle, in welchen die Vorsilbe ganz normal verwendet werden kann (z. B. der Gesang, das Gehör)

Die Nominalisierung von reflexiven Verben

Reflexive Verben können ebenfalls nominalisiert werden. Sie werden dabei wie normale Verben ohne Reflexivpronomen behandelt. Der Wortstamm bleibt bei der Nominalisierung der reflexiven Verben erhalten, aber die Endungen können sich verändern.

Beispiele
➡️ sich entwickeln → die Entwicklung
➡️ sich anziehen → das Anziehen
➡️ Sich verändern → die Veränderung

Die Nominalisierung von Adjektiven

Auch Adjektive werden häufig nominalisiert. Dabei erhält das jeweilige Wort einen bestimmten oder unbestimmten Artikel. Der Begleiter steht dann vor dem entsprechenden Adjektiv im Satz. Meistens wird bei der Nominalisierung nicht die Grundform des Adjektivs verwendet. Das Wort verändert sich jedoch nur leicht. 

Beispiele
➡️ krank → der Kranke, die Kranke
➡️ gut → das Gute
➡️ grün → dieses Grün

Die Nominalisierung von Pronomen

Auch Pronomen können im Deutschen nominalisiert werden. Allerdings kommt diese Form der Nominalisierung nur selten vor. Es hängt immer vom Kontext des jeweiligen Satzes ab, ob eine Nominalisierung nötig ist. Wenn ein Pronomen nominalisiert wird, dann erhält es einen Begleiter in Form eines Artikels oder eines Demonstrativpronomens

Beispiele
➡️ Lisas Chef bietet ihr das Du an.
➡️ Die Beschwerde kam aus dem Nichts.
➡️ Lisa hat jemanden kennengelernt. Dieser Jemand heißt Max.

Die Nominalisierung von Präpositionen, Adverbien und Zahlwörtern

Im Deutschen kommen auch Nominalisierungen von anderen Wortarten vor. Präpositionen, Adverbien und Zahlwörter können ebenfalls nominalisiert werden, aber sie werden nur sehr selten auf diese Art und Weise verwendet. Deswegen gibt es keine speziellen Regeln für die Nominalisierung dieser drei Wortarten.

Beispiele
➡️ Präposition: Das Auf und Ab von Ellas Gefühlen nervt mich.
➡️ Adverb: Lisa konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt.
➡️ Zahlenwort: Lisa war die Erste in der Vorlesung.

💡 Tipp
Du kannst eine Nominalisierung immer an dem Großbuchstaben am Anfang des Wortes erkennen. Außerdem haben nominalisierte Wörter meistens Artikel, Pronomen, Präpositionen oder Mengenangaben als Begleiter.

Beispiele
➡️ Lisa macht das Lesen Spaß
➡️ Ihr Weinen war sehr laut.
➡️ Max verletzte sich beim Spielen.
➡️ Gemeinsam erreichten sie viel Gutes.

Der Nominalstil

Der Nominalstil ist im Deutschen eine Ausdrucksart und ein Schreibstil. Beim Schreiben von Texten wird entweder der Nominalstil oder der Verbalstil verwendet. Der Verbalstil beschreibt einen Schreibstil, bei dem besonders viele Verben benutzt werden. Diese Art des Schreibens ist sehr lebhaft und anschaulich. In der Alltagssprache verwenden wir häufig den Verbalstil. 

Beispiel
➡️ Es ist verboten, sich auf den Schienen aufzuhalten.

Für formale und informative Texte ist der Verbalstil allerdings unpassend. Hier sollen Informationen sachlich und eindeutig auf den Punkt gebracht werden. Aus diesem Grund wird bei dieser Art von Texten häufig der Nominalstil verwendet. Beim Nominalstil werden viele Verben durch Nominalisierungen ersetzt. 

Beispiel
➡️ Der Aufenthalt auf den Schienen ist verboten.

Zusammenfassung

1. Die Nominalisierung ist ein Vorgang, bei dem ein Wort in ein Nomen umgewandelt wird und am häufigsten werden Verben und Adjektive in Nomen verwandelt. Nominalisierte Wörter erhalten einen Artikel und einen großgeschriebenen Anfangsbuchstaben.

2. Verben können nominalisiert werden, indem der Infinitiv einen Artikel und einen Großbuchstaben erhält. Hierbei wird der Infinitiv nicht verändert. Außerdem können Verben durch das Ergänzen einer Endung oder einer Vorsilbe nominalisiert werden.

3. Bei Adjektiven bleibt die Grundform bei der Nominalisierung nicht erhalten. Meistens verändert sich das Wort leicht. Außerdem steht vor dem Adjektiv dann ein bestimmter oder unbestimmter Artikel, ein Pronomen oder ein Zahlwort.

4. Neben Verben und Adjektiven können auch Pronomen, Adverbien, Präpositionen und Zahlwörter nominalisiert werden. Dies kommt jedoch weniger häufig vor.. 

5. Der Nominalstil ist ein Schreibstil, bei dem viele Nominalisierungen verwendet werden, wodurch ein Text förmlicher und sachlicher wirkt. 

Häufige Fragen

Wie kann man Nominalisierungen erkennen?

Nominalisierungen erkennst du immer an den großgeschriebenen Anfangsbuchstaben der Wörter. Außerdem kommen nominalisierte Wortarten häufig mit einem Begleiter vor. Das Nomen erkennst du dann an einem dazugehörigen Artikel, einer Präposition oder einer Mengenangabe.

Was ist der Nominalstil Beispiel?

Der Nominalstil ist ein Schreibstil, bei dem viele Nominalisierungen verwendet werden. Zum Beispiel würde der Satz „Es ist verboten, sich auf den Schienen aufzuhalten” im Nominalstil „Der Aufenthalt auf den Schienen ist verboten” lauten.

Wie funktioniert die Nominalisierung?

Die Nominalisierung hat bei mehreren Wortarten bestimmte Regeln. Allerdings erhalten alle nominalisierten Wörter einen großen Anfangsbuchstaben, unabhängig davon, zu welcher Wortart sie ursprünglich gehörten. Außerdem haben viele Nominalisierungen einen Begleiter.

Wann wird ein Wort nicht Nominalisiert?

Du musst Wörter nicht nominalisieren, wenn du den Verbalstil verwendest. In der Umgangssprache werden Verben und Adjektive seltener nominalisierst.

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