Semantik

Die Semantik ist der Bereich der Sprachwissenschaft, der sich mit der Bedeutung von Sprache befasst. In diesem Artikel lernst du, welchen Nutzen die Semantik für die Sprache hat und was du darüber wissen solltest. 

Semantik Definition

Menschen benötigen Sprache, um mit ihren Mitmenschen zu kommunizieren. Wörter, Sätze, Texte und Dialoge sind jedoch erst dann sinnvoll, wenn sie eine einheitliche Bedeutung haben. 

Die Semantik als Teil der Sprachwissenschaft beschäftigt sich mit diesen Bedeutungen und wird daher auch Bedeutungslehre genannt. Sie ist ein Teilbereich der Semiotik.

Die drei Teilbereiche der Semiotik

Die Semiotik ist ein großes Fachgebiet der Sprachwissenschaften. Sie beschäftigt sich allgemein mit sprachlichen Zeichen. 

🎓 Merke
Sprachliche Zeichen sind Symbole, die der Mensch verwendet, um ein Bild in seiner Vorstellung zu beschreiben. Gesprochene und geschriebene Wörter zählen auch zu diesen Symbolen. Das Wort „Baum“ und das 🌳-Symbol sind zum Beispiel beides sprachliche Zeichen.

Es gibt drei Teilbereiche, die zur Semiotik gehören: Pragmatik, Syntax und Semantik. Die Pragmatik befasst sich mit der Verwendung der sprachlichen Zeichen und die Syntax beschreibt die Struktur von Zeichensystemen. Dieser Artikel befasst sich allerdings mit der Semantik, welche die Bedeutung sprachlicher Zeichen analysiert.

Semantik einfach erklärt 

Die Semantik ist ein sehr großes Fachgebiet, obwohl sie nur ein Teilbereich der Semiotik ist. Das liegt daran, dass nicht nur Wörter Bedeutungen haben, sondern alle Symbole, die wir zur Kommunikation nutzen. 

Außerdem hat die Bedeutung von Wörtern nicht immer eindeutige Grenzen oder Regeln. Ein ganzer Satz hat eine bestimmte Bedeutung, doch die einzelnen Wörter in diesem Satz haben ebenfalls Bedeutungen, die voneinander unabhängig sein können.

Semasiologie und Onomasiologie

In der Semantik sind nicht nur sprachliche Zeichen wichtig, sondern auch das Objekt, das bezeichnet wird. Bedeutung kann dementsprechend aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet werden, die Semasiologie und Onomasiologie genannt werden. 

Die Semasiologie fragt nach der Bedeutung des sprachlichen Zeichens. Hier sind besonders die Symbole wichtig. Wenn du also nach der Bedeutung eines Wortes suchst, dann betrachtest du die Semantik aus einer semasiologischen Perspektive. 

Beispiel
➡️ Frage: Welches Objekt wird mit dem Wort „Pferd“ beschrieben?
➡️ Antwort: 🐴

Onomasiologie beschreibt die Suche nach einem sprachlichen Zeichen für ein Objekt. Wenn du also einen bestimmten Gegenstand siehst und dich fragst, wie dieser Gegenstand heißt, dann betrachtest du die Semantik aus einer onomasiologischen Perspektive.

Beispiel
➡️ Frage: Mit welchem Wort wird das 🐴-Symbol beschrieben?
➡️ Antwort: Pferd, Ross, Gaul

Das Zeichenmodell nach Ferdinand de Saussure

Ferdinand de Saussure war ein Sprachwissenschaftler, der vor allem als Begründer des sprachwissenschaftlichen Strukturalismus bekannt ist. 

Strukturalismus ist ein Begriff für spezielle Methoden, die in vielen wissenschaftlichen Fachgebieten vorkommen. Der Strukturalismus befasst sich mit Strukturen und Beziehungen, die unterbewusst in einer Gesellschaft existieren. 

Ferdinand de Saussure beschäftigte sich mit den Strukturen der Zeichensysteme, welche die Menschen unterbewusst nutzen, um miteinander zu sprechen.

Er hat unter anderem das sogenannte bilaterale (zweiteilige) Zeichenmodell entwickelt. Das Modell beschreibt, dass ein Wort immer zwei Seiten hat: Die Bezeichnung für ein Wort (z. B. Baum) und das, was mit diesem Wort bezeichnet wird (z. B. das Bild von dem echten Baum, mit dem wir das Wort verbinden). 

Wenn du an ein Wort denkst, dann hast du in deinem Kopf auch immer eine Vorstellung von dem, was das Wort beschreibt. Im Zeichenmodell wird das Wort als Signifikant und das Objekt, das beschrieben wird, als Signifikat bezeichnet.

Wortsemantik

Wie bereits erwähnt, kann die Bedeutung von Sätzen und Wörtern getrennt voneinander betrachtet werden. 

Deswegen gbit es zwei verschiedene Arten von Semantik: Die Wortsemantik und die Satzsemantik

Die Wortsemantik befasst sich mit der Bedeutung von ganzen Wörtern und Wortteilen. Wörter können sich leicht verändern und so eine neue Bedeutung erhalten, oder die Wortart wechseln und damit eine andere Bedeutung haben als zuvor. Die Satzsemantik wird später genauer erklärt.

Morpheme und Lexeme

Die Bedeutung von Wörtern kann sich verändern, wenn sich das Wort verändert. Das ist zum Beispiel bei der Deklination oder der Konjugation der Fall. Ein Wort hat deswegen keine festgelegte Bedeutung und ist daher auch nicht der kleinste Teil der Sprache, der eine Bedeutung hat. 

Aus diesem Grund gibt es Morpheme und Lexeme. Diese beschreiben Teile der menschlichen Sprache, die noch kleiner sind als Wörter und die Bedeutung sprachlicher Zeichen wesentlich verändern können.

🎓 Merke
Silben sind ebenfalls kleiner als Wörter. Allerdings sind sie für die Semantik nicht wichtig, weil sie keine bedeutungstragenden Einheiten sind. Das heißt, dass sie selbst keine Bedeutung haben und keine Bedeutungen verändern können. Silben sind für andere Ebenen der Sprachwissenschaft interessanter (z. B. Phonetik).

Morpheme

Morpheme sind die kleinsten sprachlichen Einheiten, die eine Bedeutung tragen oder die Bedeutung eines Wortes mit einer grammatischen Funktion verändern. 

Das heißt, dass ein Wort aus einem einzigen Morphem bestehen kann (z. B. Bett) oder aus mehreren zusammengesetzten Morphemen (z. B. Betten). 

Beispiele
➡️ 1 Morphem: Bett
➡️ 2 Morpheme: Bett – en
Das Wort Bett hat unverändert nur eine Bedeutung und besteht auch nur aus einem Morphem. In der Mehrzahl verändert sich aber die Bedeutung des Wortes, indem das Morphem Bett mit dem Morphem
-en kombiniert wird. 

Lexeme

Das Lexem ist die Grundbedeutung einer sprachlichen Einheit. Das heißt, dass es bei Wörtern, Sätzen oder Phrasen den Kern der Bedeutung bildet. 

Bei Wörtern ist das Lexem die Grundform, die du in jedem Wörterbuch findest.

Anders als bei den Morphemen spielt die Veränderung eines Wortes durch verschiedene Endungen keine Rolle. Nur die Bedeutung der Grundform ist wichtig.

Beispiele
➡️ ich schwimme – schwimmen
➡️ du bist geschwommen – schwimmen
Die zwei Ausdrücke sind sehr unterschiedlich, aber sie gehören beide zu dem Lexem schwimmen.

🎓 Merke
Die Grundformen der Wörter sind zwar meistens Lexeme, aber nicht alle Lexeme sind Grundformen von Wörtern. 

Bei Lexemen ist besonders die ursprüngliche Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks wichtig. Einzelne Phrasen, die aus mehreren Wörtern bestehen, können auch Lexeme sein (z. B. „jemandem die kalte Schulter zeigen“). 

Semantische Relationen

Lexeme sind manchmal durch spezielle Beziehungen miteinander verbunden. Diese Beziehungen helfen dabei, sprachliche Bedeutungen schneller zu verstehen und miteinander zu verbinden. 

Es gibt viele Bedeutungsrelationen und in diesem Artikel lernst du die Synonymie, die Heteronymie und die Komplementarität kennen.

Synonymie 

Diese Synonymie heißt auch Bedeutungsgleichheit. Dabei haben zwei verschiedene sprachliche Ausdrücke die gleiche Bedeutung. 

Beispiele
➡️ sagen / sprechen
➡️ Das Seil ist zu kurz. / Das Seil ist nicht lang genug.

Heteronymie

Bei der Heteronymie haben verschiedene Wörter ein gemeinsames Thema. 

Beispiele
➡️ Farben: rot, grün, blau, gelb 
➡️ Tage: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag

Die Wörter haben nicht dieselbe Bedeutung, aber sie sind miteinander verbunden, weil sie einem bestimmten Thema zugeordnet werden können. 

Komplementarität

Die Komplementarität beschreibt zwei gegenteilige Ausdrücke. Dabei geht es um zwei Begriffe, die sich gegenseitig ausschließen. 

Sie können also nicht gleichzeitig wahr sein, weil sie das komplette Gegenteil voneinander sind. Allerdings sind sie dadurch auch miteinander verbunden.

Beispiele
➡️ tot lebendig
➡️ heiß kalt
➡️ groß klein 

Satzsemantik

Die Satzsemantik befasst sich mit der Bedeutung von Sätzen, Teilsätzen und Phrasen. Sie konzentriert sich nicht auf die Bedeutung einzelner Wörter, sondern auf ihre Kombination und komplette Aussagen. 

Außerdem beschäftigt sich die Satzsemantik besonders mit den Verben eines Satzes, da sie einen entscheidenden Einfluss auf den Satz haben.

Oberflächenstruktur und Tiefenstruktur

Der Unterschied zwischen der Oberflächenstruktur und der Tiefenstruktur eines Satzes ist ein wichtiger Teil der Satzsemantik

Die Oberflächenstruktur eines Satzes beschreibt den Aufbau. Ein Satz besteht aus verschiedenen Wörtern, die aneinandergereiht eine Abfolge bilden. Hier wird der Satz nicht auf grammatikalische Art betrachtet und seine Bedeutung ist nicht wichtig. 

Die Tiefenstruktur eines Satzes befasst sich mit der Bedeutung. Die aufeinander folgenden Wörter werden hier miteinander verbunden und verstanden. Dabei ist es sehr wichtig, was der Satz bedeutet und wie er interpretiert wird. 

Die Oberflächenstruktur eines Satzes kann auf der Ebene der Tiefenstruktur zwei verschiedene Bedeutungen haben. 

Beispiel
➡️ Ein Urteil ist sinnlos.
Dieser Satz hat nur eine Oberflächenstruktur, aber mehrere Bedeutungen. Der Satz kann aussagen, dass ein Urteil generell sinnlos ist, oder, dass nur ein einziges Urteil sinnlos ist. Die zweite Interpretation deutet an, dass mehrere Urteile sinnvoller wären. 

Allerdings kann die Oberflächenstruktur eines Satzes unterschiedlich sein, während er auf der Tiefenstruktur nur eine Bedeutung hat.

Beispiele
➡️ Er geht nach Hause. 
➡️ Er ist auf dem Weg nach Hause.

Obwohl die beiden Sätze sich oberflächlich unterscheiden, haben sie die gleiche Bedeutung.

Semantische Ansätze

Semantik ist in der Sprachwissenschaft ein sehr großer Bereich. Außer der Wortsemantik und der Satzsemantik existieren noch die Text- und Diskurssemantik, die sich mit aufeinander folgenden Sätzen beschäftigen. 

Außerdem gibt es noch weitere Forschungsansätze in der Semantik wie die Merkmalssemantik und die interpretative Semantik. 

Zusammenfassung

1. Die Semantik ist ein sehr großer Teil der Sprachwissenschaft und beschäftigt sich mit der Bedeutung sprachlicher Zeichen. Sie gehört zu dem Gebiet der Semiotik, der allgemeinen Lehre sprachlicher Zeichen.

2. In der Semantik wird zwischen Wortsemantik und Satzsemantik unterschieden. Die Wortsemantik befasst sich mit der Bedeutung von Wörtern und einzelnen Wortteilen. Die Satzsemantik betrachtet die Bedeutung von Sätzen, Phrasen und Satzteilen.

3. Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten der Sprache. Sie dürfen nicht mit Wörtern verwechselt werden. Morpheme können Wörter sein, aber nicht jedes Wort ist ein Morphem. 

4. Lexeme beschreiben die grundsätzliche Bedeutung eines sprachlichen Zeichens. Meistens ist die Grundform eines Wortes sein Lexem. 

5. Wörter und Sätze können semantische Relationen haben. Das heißt, dass sie durch Besonderheiten ihrer Bedeutungen miteinander verbunden sind.

6. Sätze haben eine Oberflächenstruktur und eine Tiefenstruktur. Die Oberflächenstruktur beschreibt die Anordnung der Wörter und Satzglieder innerhalb eines Satzes. Die Tiefenstruktur beschäftigt sich mit der grammatikalischen Verbindung der Wörter und der Bedeutung, die dabei entsteht. 

Häufige Fragen

Was ist Semantik Beispiel?

Die Semantik ist ein Teilgebiet der Sprachwissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der Bedeutung von sprachlichen Zeichen und wird daher auch Bedeutungslehre genannt. Zu den sprachlichen Zeichen zählen Wörter, Sätze, Texte und alle anderen Symbole, die zur Kommunikation genutzt werden.

Was versteht man unter semantisch?

Semantik wird auch als Bedeutungslehre bezeichnet, weil sie sich mit der Bedeutung sprachlicher Zeichen befasst. Wichtig ist dabei der Gegenstand, der mit einem Symbol beschrieben wird. Auch schriftliche Wörter sind sprachliche Zeichen und relevant für die Semantik.

Was ist Semantik und Syntax?

Syntax und Semantik sind Gebiete aus der Sprachwissenschaft, die zur Semiotik gehören. Die Semantik beschäftigt sich mit der Bedeutung sprachlicher Zeichen wie Wörter, Sätze und Texte. Die Syntax beschreibt die Struktur von Zeichensystemen. Sie befasst sich mit den grammatischen Regeln zur Kombination sprachlicher Zeichen.

Was ist ein semantischer Inhalt?

Die Semantik ist ein Teil der Sprachwissenschaft, der sich mit der Bedeutung des Inhalts sprachlicher Zeichen auseinandersetzt. Sprachliche Zeichen können Wörter, Sätze und andere Symbole sein, die zur Kommunikation benutzt werden.