Präteritum 

Das Präteritum ist eine Vergangenheitsform des Deutschen. Es wird in Erzählungen, Berichten oder auch Märchen verwendet. In diesem Artikel lernst du, worauf du bei der Bildung des Präteritums achten musst und wann du das Präteritum benutzen kannst. 

Was ist das Präteritum?

Das Präteritum ist eine der drei Vergangenheitsformen des Deutschen und wird auch Imperfekt genannt. Du kannst es benutzen, um über abgeschlossene Handlungen oder Ereignisse zu sprechen, die keinen Einfluss mehr auf die Gegenwart haben. 

Deutsche Muttersprachler:innen verwenden das Präteritum fast ausschließlich in der geschriebenen Sprache. Also beispielsweise in Berichten, Romanen, Märchen oder Erzählungen. 

Beispiele
➡️ Sie liefen den Berg hinauf. 
In diesem Beispiel laufen die Personen nicht mehr den Berg hinauf, sondern sind bereits oben angekommen.

➡️ Die Kinder waren hungrig.
Die Kinder waren in der Vergangenheit hungrig. Jetzt sind sie nicht mehr hungrig.

Du bildest diese Zeitform, indem du das Verb des Satzes konjugierst. Um das Verb zu konjugieren, musst du nur eine der sechs Präteritum-Endungen an den Verbstamm des Verbs hängen. Deswegen wird das Präteritum auch als einfache Zeitform bezeichnet.

Präteritum – Bildung

Du bildest das Präteritum, indem du eine Präteritum-Endung an den Verbstamm des Verbs stellst. Das Subjekt deines Satzes bestimmt, welche der sechs Endungen du brauchst.  

Bildung: Verbstamm + Endung 

In dieser Tabelle siehst du eine Übersicht über die einzelnen Präteritums-Endungen des Deutschen. 

PersonalpronomenPräteritum-EndungBeispiel Verb: lachen
Ich-telachte
Du-testlachtest
Er/Sie/Es-telachte
Wir-tenlachten
Ihr-tetlachtet
Sie-tenlachten

Bei der Bildung des Präteritums gibt es jedoch einige Regeln für regelmäßige Verben und für unregelmäßige Verben

Regelmäßige Verben

Das Präteritum von regelmäßigen Verben bildest du genau so, wie du es gerade gelernt hast. Du bildest den Verbstamm von Verben, indem du das -en oder -n vom Ende eines Infinitivs entfernst. 

Beispiele
➡️ kaufen (Infinitiv) ohne -en = kauf (Verbstamm)
➡️ feiern (Infinitiv) ohne -n = feier (Verbstamm)

An diesem Verbstamm hängst du anschließend eine Präteritum-Endung. Welche Endung du brauchst, kannst du an der Tabelle oben erkennen. 

Beispiele
➡️ Er kaufte sich das neue iPhone.
➡️ Wir feierten die ganze Nacht.

Bei Verben, deren Verbstamm auf t, d, n oder m endet, musst du zwischen den Verbstamm und vor die Präteritum-Endung ein e stellen.

Beispiele
➡️ warten (Infinitiv) ohne -en = wart (Verbstamm)
➡️ Er wartete auf den Bus.

➡️ atmen (Infinitiv) ohne -en = atm (Verbstamm)
➡️ Ich atmete die frische Luft ein. 

Unregelmäßige Verben

Bei unregelmäßigen Verben bildest du das Präteritum ebenfalls mithilfe des Verbstamms und der Präteritum-Endungen. Jedoch verändert sich bei unregelmäßigen Verben entweder der Verbstamm oder der Vokal innerhalb dieses Verbstamms.

Daher lernst du die Präteritumformen der wichtigsten unregelmäßigen Verben am besten auswendig. 

💡 Tipp
Eine Liste der wichtigsten unregelmäßigen Verben und deren Präteritumformen findest du in unserem Artikel zum Thema unregelmäßige Verben.

Es gibt zwar keine einheitlichen Regeln zu der Bildung des Präteritums von unregelmäßigen Verben, aber die meisten unregelmäßigen Verben brauchen folgende Endungen.

PersonalpronomenEndungBeispiel Verb: gehen
Ichging
Du-stgingst
Er/Sie/Esging
Wir-engingen
Ihr-tgingt
Sie-engingen

Es gibt jedoch auch viele unregelmäßige Verben, deren Präteritumformen anders gebildet werden. In der folgenden Tabelle siehst du dazu einige Beispiele.

Personalpronomenbringenseinhaben
Ichbrachtewarhatte
Dubrachtestwarsthattest
Er/Sie/Esbrachtewarhatte
Wirbrachtenwarenhatten
Ihrbrachtetwarthattet
Siebrachtenwarenhatten

Bei Verben, deren Präteritum Verbstamm auf die Buchstaben s, ß, z, t oder d endet, solltest du folgendes beachten. 

1. Verbstamm mit Endung s, ß, oder z
Endet der Verbstamm auf s, ß, oder z, dann wird zwischen den Verbstamm und die Endung ein zusätzliches e gestellt. Bei Präteritum-Endungen, die normalerweise mit einem s anfangen, kannst du dieses s auch weglassen. In diesem Fall musst du kein zusätzliches e hinzufügen.

Beispiel
➡️ lesen (Infinitiv) ohne -en = las (Verbstamm)
➡️ Du lasst
➡️ Du last
➡️ Du lasest

2. Verbstamm mit Endung d oder t
Wenn der Verbstamm des unregelmäßigen Verbs auf d oder t endet, dann musst du vor die Präteritum-Endungen, die mit st oder t beginnen, ein zusätzliches e stellen.

Beispiel
➡️ landen (Infinitiv) ohne -en = land (Verbstamm)
➡️ Er landt
➡️ Er landet

Verben mit zwei Präteritumformen

Im Deutschen gibt es Verben, die unregelmäßig sind, aber von Muttersprachler:innen immer häufiger wie regelmäßige Verben behandelt werden. Du solltest beide Formen (regelmäßig und unregelmäßig) kennen, da beide Formen verwendet werden. 

1. Verben mit neuer Präteritumform
Die Präteritumformen der Verben bellen, backen und melken, wurden früher unregelmäßig gebildet. Diese unregelmäßigen Formen findest du in vielen älteren Büchern oder Schriften und auch manche ältere Menschen benutzen noch diese Formen. Jüngere Muttersprachler:innen hingegen bilden die Präteritum Formen dieser Verben regelmäßig. 

Beispiele
➡️ backen (Infinitiv)
➡️ alte Präteritumform: Ich buk einen Kuchen.
➡️ neue Präteritumform: Ich backte einen Kuchen.

➡️ melken (Infinitiv)
➡️ alte Präteritumform: Er molk die Kuh.
➡️ neue Präteritumform: Er melkte die Kuh.

2. Verben mit zwei Präteritumformen
Es gibt jedoch auch Verben, die zwei Präteritumformen haben. Beide Formen werden von Muttersprachler:innen gleichermaßen benutzt.

Beispiele
➡️ erschrecken (Infinitiv)
➡️ Präteritumform 1: Ich erschrak mich vor dem Knall.
➡️ Präteritumform 2: Ich erschreckte mich vor dem Knall.

➡️ hängen (Infinitiv)
➡️ Präteritumform 1: Er hängte die Jacke an die Garderobe.
➡️ Präteritumform 2: Er hing die Jacke an die Garderobe. 

Präteritum – Verwendung 

Wie du bereits gelesen hast, wird das Präteritum vor allem in der geschriebenen Sprache benutzt. Du findest es hauptsächlich in Geschichten, Zeitungen, Nachrichten, Berichten oder Märchen. 

In der gesprochenen Sprache wird das Präteritum in formalen Situationen benutzt. Jedoch werden auch in diesen Situationen nur wenige Verben häufig im Präteritum benutzt. Dazu gehören die Verben haben, sein, heißen, finden und die Modalverben des Deutschen. 

Beispiele
➡️ Der Hund meiner Oma hieß Bello.
➡️ Ich war noch nie in Algerien.

🎓 Merke
Die Präteritumform des Modalverbs möchten ist wollten.

Beispiel
➡️ Präsens: Jenny möchte ein Wohnmobil kaufen.
➡️ Präteritum: Jenny wollte ein Wohnmobil kaufen.
In dem ersten Beispielsatz möchte Jenny in diesem Moment (Präsens) ein Wohnmobil kaufen. Im zweiten Beispielsatz möchte Jenny kein Wohnmobil mehr kaufen. Entweder hat sie bereits eins oder sie will keins mehr.

🎓 Merke
Wenn du in der gesprochenen Sprache über abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit berichten willst, dann solltest du das Perfekt benutzen. In unserem Artikel zum Thema Perfekt lernst du, wie du das Perfekt bildest.

Das Präteritum wird dann verwendet, wenn die beschriebene Handlung oder das Ereignis bereits abgeschlossen ist. 

Beispiel
➡️ Shirin lebte drei Jahre in Italien.
Shirin lebt nicht mehr in Italien, daher ist die Situation abgeschlossen. 

Präteritum – Beispiele

In diesem Kapitel kannst du dein Wissen mit mehreren Beispielen testen. 

Beispiele für Anfänger:innen

1. Beispiel
➡️ Der Dieb schlug die Scheibe ein.
Die Handlung (Scheibe einschlagen) ist bereits abgeschlossen, und somit Vergangenheit.

2. Beispiel
➡️ Wir telefonierten täglich, als ich in Schweden war.
Die sprechende Person ist nicht mehr in Schweden und telefoniert auch nicht mehr täglich. Beide Situationen sind abgeschlossen.

Beispiele für fortgeschrittene Lernende

1. Beispiel
➡️ Du last ein Buch, bevor du schlafen gingst.
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Du-Form von lesen zu bilden. Im Beispielsatz wird last verwendet, die andere Form ist lasest.

2. Beispiel
➡️ Er buk jedes Jahr einen Kuchen zu ihrem Geburtstag.
Buk, ist die alte Präteritumform des Verbs backen und wird kaum noch verwendet. Stattdessen würden viele jüngere Muttersprachler:innen backte verwenden.

Zusammenfassung 

1. Das Präteritum ist eine der Vergangenheitsformen des Deutschen und wird auch Imperfekt genannt. 

2. Du bildest das Präteritum, indem du eine Präteritum-Endung an den Verbstamm hängst. Bei regelmäßigen Verben lauten diese Präteritum-Endungen (te, test, -te, -ten, -tet, -ten) und bei den meisten unregelmäßigen Verben (, st, , en, -et, en).

3. Das Präteritum wird hauptsächlich in der geschriebenen Sprache benutzt. 

Häufige Fragen

Was ist die Zeitform Präteritum?

Das Präteritum ist eine der drei Vergangenheitsformen des Deutschen. Es wird benutzt, um über abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit zu sprechen. Es wird hauptsächlich in der geschriebenen Sprache benutzt. 

Wie bildet man ein Präteritum?

Du bildest die Präteritumform eines Verbs, indem du eine Präteritum-Endung an den Verbstamm hängst. Die meisten Verben des Deutschen brauchen die Endungen te, test, te, ten, tet, -ten. Beispiel: „Er feierte die ganze Nacht.“, oder „Wir kochten uns Nudeln zum Mittagessen“.

Was ist das Präteritum einfach erklärt?

Das Präteritum ist eine Vergangenheitsform des Deutschen. Es wird benutzt, um über Handlungen zu sprechen, die in der Vergangenheit abgeschlossen wurden. Du bildest das Präteritum, indem du das Verb des Satzes konjugierst. Beispiel: „Anna wartete auf den Bus.“ In diesem Beispiel wartet Anna nicht mehr auf den Bus. 

Was ist Unterschied zwischen Präteritum und Perfekt?

Das Perfekt und das Präteritum werden beide benutzt, um über abgeschlossene Handlungen in der Gegenwart zu sprechen. Das Präteritum wird durch die Konjugation des Verbs gebildet und wird vor allem in der geschriebenen Sprache benutzt. Das Perfekt wird mithilfe eines Hilfsverbs und dem Partizip 2 eines Vollverbs gebildet. Es wird hauptsächlich in der gesprochenen Sprache benutzt. 

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