Vergangenheitsform

Es gibt in der Vergangenheitsform im Deutschen drei Zeiten: das Präteritum, das Perfekt und das Plusquamperfekt. In diesem Artikel lernst du, wie du diese Zeitformen bilden und benutzen kannst.

Was sind Vergangenheitsformen?

Es gibt sechs Zeitformen im Deutschen, von denen drei Vergangenheitsformen sind. Mithilfe der Vergangenheitsformen kannst du über Dinge sprechen, die bereits geschehen sind. Es hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, wann du welche Vergangenheitsform benutzen musst. Beispielsweise wie lange das Ereignis her ist und ob das Ereignis noch Auswirkungen auf die Gegenwart hat. 

Die Vergangenheitsformen des Deutschen sind: 

  1. Präteritum
  2. Perfekt 
  3. Plusquamperfekt 

Ein anderer Begriff für Zeitformen ist Tempora, eine einzelne Zeitform wie beispielsweise das Präteritum kannst du auch Tempus nennen. 

Die Vergangenheitsformen bildest du mithilfe der Verben in einem Satz. Das heißt, dass die Verben des Satzes anzeigen, um welche Zeitform es sich handelt. 

Das Präteritum ist eine sogenannte einfache Zeitform. Für diese musst du nur das Vollverb des Satzes konjugieren. Das Perfekt und Plusquamperfekt sind zusammengesetzte Zeitformen. Das bedeutet, dass sie aus mehr als einem Verb bestehen. Sie brauchen eine konjugierte Form des Hilfsverbs haben oder sein und das Partizip 2 eines Vollverbs. 

Du kannst das Perfekt und das Plusquamperfekt anhand der Konjugation des Hilfsverbs unterscheiden.

Beispiele
➡️ Präteritum: Ich ging durch die Stadt.
➡️ Perfekt: Ich bin durch die Stadt gegangen.
➡️ Plusquamperfekt: Ich war durch die Stadt gegangen.

Vergangenheitsform – Übersicht

In diesem Kapitel lernst du, wie du die einzelnen Vergangenheitsformen bildest und wann du welche Vergangenheitsform benutzen kannst.

Vergangenheitsform – Präteritum

Das Präteritum wird auch Imperfekt genannt. Es wird benutzt, um über abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit zu sprechen. Das Präteritum wird vor allem in der geschriebenen Sprache benutzt, im Alltag wird es selten verwendet.

Beispiel
➡️ Anna ging zum Fußballtraining.
Anna ist nicht mehr auf dem Weg zum Fußballtraining, sondern bereits dort angekommen.

Das Präteritum ist die einzige einfache Vergangenheitsform. Wie du bereits gelernt hast, bedeutet das, dass du nur das Vollverb konjugieren musst. 

Bildung: Verbstamm + Endung (te, test, te, ten, tet, ten)

Beispiel
➡️ Er brachte ihr Blumen zum Hochzeitstag mit.

Dabei kommt es darauf an, ob das Vollverb ein regelmäßiges oder unregelmäßiges Verb ist.

1. Regelmäßige Verben

Um das Präteritum von regelmäßigen Verben zu bilden, musst du nur den Verbstamm des Vollverbs nehmen und eine Präteritum-Endung dranhängen. Als Verbstamm wird der Infinitiv ohne das –en am Ende bezeichnet. 

Beispiel
➡️ tanzen (Infinitiv) → ohne en: tanz (Verbstamm)

Die Präteritum-Endung hängt vom Subjekt des Satzes ab und du musst die passende Endung an den Verbstamm hängen. Die Endungen sind bei allen regelmäßigen Verben gleich. 

Präteritum Konjugation

PersonalpronomenKonjugiertes Verb: wohnen
Ichwohnte
Duwohntest
Er/Sie/Eswohnte
Wirwohnten
Ihrwohntet
Siewohnten

2. Unregelmäßige Verben

Bei unregelmäßigen Verben ändert sich der Stammvokal oder der gesamte Verbstamm, wenn dieser für das Präteritum konjugiert wird. Diese Veränderung folgt keinen Regeln. Deswegen ist es sinnvoll, die Präteritumformen der wichtigsten Verben auswendig zu lernen. 

💡 Tipp
Eine Übersicht über die wichtigsten unregelmäßigen Verben und ihrer Präteritumformen findest du in unserem Artikel zum Thema unregelmäßige Verben.

Eines der wichtigsten unregelmäßigen Verben ist das Hilfsverb sein. Wie du an diesem Beispiel sehen kannst, ändert sich nicht nur der gesamte Verbstamm, sondern auch die einzelnen Formen sind unregelmäßig.

Sein Konjugation

PersonalpronomenKonjugiertes Verb: sein
Ichwar
Duwarst
Er/Sie/Eswar
Wirwaren
Ihrwart
Siewaren

Vergangenheitsform – Perfekt

Das Perfekt wird auch vollendete Gegenwart genannt. Das Perfekt wird benutzt, um über abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit zu sprechen, die einen Einfluss auf die Gegenwart haben. Muttersprachler:innen benutzen das Perfekt hauptsächlich in der gesprochenen Sprache. Zudem wird es oft benutzt, wenn die Handlung oder das Ereignis noch nicht lange zurückliegt.

Beispiel
➡️ Ich habe einen Flug gebucht.
In diesem Beispielsatz ist die Buchung des Fluges bereits abgeschlossen. Die sprechende Person ist jedoch noch nicht geflogen, dadurch hat die Handlung in der Vergangenheit einen Einfluss auf die Gegenwart.

Das Perfekt bildest du, indem du entweder das Hilfsverb sein oder haben für das Präsens konjugierst. Dieses musst du dann an die zweite Stelle im Satz stellen. Anschließend bildest du das Partizip 2 des Vollverbs und stellst dieses an das Satzende. 

Bildung: Hilfsverb (haben/sein im Präsens) + Partizip 2

Beispiel
➡️ Sie ist nach Japan ausgewandert.

1. Welches Verb braucht welches Hilfsverb?

Die Auswahl des Hilfsverbs für das Vollverb hängt von der Bedeutung des Verbs ab. Sein wird immer dann gebraucht, wenn das Vollverb eine Veränderung oder Bewegung beschreibt (z.B. gehen, einschlafen, verschwinden oder rennen). Nur wenige Verben benutzen sein als Hilfsverb.

Beispiel
➡️ Er ist einen Marathon gelaufen. 

Das Hilfsverb haben wird von den meisten Verben benutzt. Diese Verben beschreiben meistens Zustände, wie träumen, stehen oder glauben. Aber auch Verben wie klauen brauchen haben als Hilfsverb. Auch die reflexiven Verben benötigen ebenfalls haben als Hilfsverb.

Beispiel
➡️ Ich habe gestern etwas Verrücktes geträumt.

2. Bildung des Partizip 2

Das Partizip 2 ist eine Verbform, die ausdrückt, dass eine Handlung bereits abgeschlossen ist. Im Partizip 2 musst du das Verb nicht mehr konjugieren. Du kannst das Partizip 2 von allen Verben bilden. Dabei solltest du berücksichtigen, dass das Partizip 2 für regelmäßige und unregelmäßige Verben unterschiedlich gebildet wird.

Bei regelmäßigen Verben musst du den Verbstamm bilden. Anschließend hängst du ein ge- vor den Verbstamm und ein (e)t dahinter. 

Beispiele
➡️ reden (Infinitiv) → ge + red + et = geredet (Partizip 2)
➡️ tanzen (Infinitiv) → ge + tanz + t = getanzt (Partizip 2)

🎓 Merke
Nur wenn der Verbstamm auf den Buchstabend oder t endet, wird das Partizip mit et gebildet. Ansonsten nur mit t

Bei unregelmäßigen Verben bildest du das Partizip 2 entweder mit dem Präsens oder dem Präteritum Verbstamm. Am besten lernst du die Partizip 2 Form wichtiger Verben auswendig, da es keine Regel gibt, wann welcher Verbstamm benötigt wird. 

💡 Tipp
Die Partizip 2 Formen wichtiger unregelmäßiger Verben kannst du ebenfalls in unserem unregelmäßige Verben Artikel lernen.

Vor den Verbstamm stellst du bei unregelmäßigen Verben wieder ein ge- dahinter stellst du ein en

Beispiele
➡️ schwimmen (Infinitiv) → ge + schwomm + en = geschwommen (Partizip 2)
➡️ halten (Infinitiv) → ge halt + en = gehalten (Partizip 2)

Vergangenheitsform – Plusquamperfekt

Das Plusquamperfekt wird auch vollendete Vorvergangenheit oder Vollendete Vergangenheit genannt. Du kannst es immer benutzen, wenn mehrere Handlungen in der Vergangenheit stattgefunden haben. Das Plusquamperfekt wird dann benutzt, um das Ereignis zu beschreiben, das noch vor den anderen stattgefunden hat. 

Deswegen findest du das Plusquamperfekt oft in Kombination mit dem Perfekt oder dem Präteritum. 

Beispiel
➡️ Ella war durch die Stadt gegangen, als sie ihre Freundin entdeckte
Handlung 1 im Plusquamperfekt: durch die Stadt gehen
Handlung 2 um Präteritum: Freundin entdecken

Das Plusquamperfekt wird ähnlich dem Perfekt gebildet. Du bildest es, indem du entweder das Hilfsverb haben oder sein konjugierst und an die zweite Stelle im Satz stellst. Im Plusquamperfekt musst du diese für das Präteritum konjugieren. Danach bildest du wieder das Partizip 2 und stellst es an das Satzende. 

Bildung: Hilfsverb (haben/sein im Präteritum) + Partizip 2

Beispiel
➡️ Ich war krank gewesen.

Zusammenfassung

1. Es gibt drei Vergangenheitsformen im Deutschen, das Präteritum, das Perfekt und das Plusquamperfekt

2. Das Präteritum wird durch die Konjugation des Vollverbs gebildet und es wird benutzt, um über abgeschlossene Handlungen zu sprechen. 

3. Das Perfekt wird mit einem Hilfsverb und dem Partizip 2 eines Vollverbs. Es wird benutzt, um über abgeschlossene Handlungen zu sprechen, die immer noch eine Auswirkung auf die Gegenwart haben. 

4. Das Plusquamperfekt wird ebenfalls mit einem Hilfsverb und dem Partizip 2 eines Vollverbs gebildet. Es wird benutzt, um über ein Ereignis zu sprechen, das noch vor einem anderen Ereignis in der Vergangenheit stattgefunden hat. 

Häufige Fragen

Wie heißen alle Vergangenheitsformen?

Die drei Vergangenheitsformen des Deutschen heißen: Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt

Was ist der Unterschied zwischen Perfekt und Präteritum?

Das Präteritum bildest du, indem du das Verb konjugiert. Es wird verwendet, um über abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit zu berichten und wird hauptsächlich in der geschriebenen Sprache benutzt. Das Perfekt hingegen wird mithilfe der Hilfsverben sein/haben und dem Partizip 2 gebildet. Es wird vor allem in der gesprochenen Sprache benutzt.

Was sind die 6 Zeitformen?

Die Gegenwartsform des Deutschen ist das Präsens, die Vergangenheitsformen sind: das Perfekt, das Präteritum und das Plusquamperfekt. Die beiden Zukunftsformen sind das Futur 1 und das Futur 2.

Was sind die 2. Vergangenheit Beispiel?

Das Perfekt gilt auch als die zweite Vergangenheit des Deutschen. Beispielsätze mit dem Perfekt sind: „Wir haben eine Reise in die Türkei gebucht.“, oder „Ich bin pünktlich angekommen.“

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