Zeitformen

In der deutschen Sprache gibt es sechs Zeitformen, mit denen du über die Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft sprechen kannst. In diesem Artikel lernst du, wie du die sechs Zeitformen bildest und richtig verwendest. 

Deutsche Zeitformen – Übersicht

Im Deutschen gibt es sechs Zeitformen, diese werden mithilfe von Verben gebildet. Das heißt, dass das Verb eines Satzes Auskunft darüber gibt, wann eine Handlung stattgefunden hat oder stattfindet.

Die sechs Zeitformen lassen sich in Gegenwarts-, Vergangenheits-, und Zukunftsformen aufteilen.

1. Gegenwart: Präsens
2. Vergangenheit: Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt
3. Zukunft: Futur 1, Futur 2

Ein anderes Wort für Zeitformen ist Tempora, einzelne Zeitformen wie das Perfekt werden auch Tempus genannt.

Bei einigen Zeitformen musst du das Verb nur konjugieren. Bei anderen Zeitformen benötigst du außerdem Hilfsverben und besondere Verbformen wie das Partizip 2 oder den Infinitiv

Beispiel
➡️ Anna lachte vor Freude.
➡️ Anna wird vor Freude gelacht haben.

Deutsche Zeitformen – Tabelle

In diesem Kapitel findest du eine Übersicht aller Zeitformen des Deutschen.

Zeitformen: Gegenwart

Das Präsens ist die einzige Gegenwartsform des Deutschen. Mithilfe des Präsens kannst du über Dinge sprechen, die in diesem Moment passieren oder sich wiederholen.

Es ist jedoch auch möglich, das Präsens zu benutzen, um über die Zukunft zu sprechen. Deswegen ist das Präsens die am häufigsten benutzte Zeitform im Deutschen. 

Wenn du das Präsens benutzen willst, um über die Zukunft zu sprechen, dann brauchst du immer eine Zeitangabe, beispielsweise morgen, nächstes Jahr oder auch im Dezember. Nur dadurch wird deutlich, dass du dich auf die Zukunft beziehst. 

Beispiel
➡️ Ich gehe übermorgen zum Friseur. 
➡️ Ich gehe zum Friseur.
Beide Sätze sind im Präsens geschrieben, jedoch wird durch die Zeitangabe (übermorgen) im ersten Satz deutlich, dass sich dieser auf die Zukunft bezieht. Im Gegensatz dazu ist die sprechende Person im zweiten Beispiel gerade auf dem Weg zum Friseur.

Das Präsens bildest du, indem du das Vollverb eines Satzes konjugierst. Dabei hängst du bestimmte Silben an den Verbstamm. Diese sind bei regelmäßigen und unregelmäßigen Verben dieselben, nur das Hilfsverb sein, wird im Präsens unregelmäßig konjugiert. 

Bildung: konjugiertes Vollverb (Verbstamm + e, st, t, en, et, en)

PersonalpronomenRegelmäßiges Verb: redenUnregelmäßiges Verb: gehenVerb: sein
Ichredegehebin
Duredestgehstbist
Er/Sie/Esredetgehtist
Wirredengehensind
Ihrredetgehtseid
Sieredengehensind

Zeitformen: Vergangenheit

Es gibt drei verschiedene Vergangenheitsformen im Deutschen. Je nachdem, wie weit das Ereignis, über das du sprichst, zurückliegt und in welchem Kontext du über das Ereignis sprichst, musst du eine andere Zeitform wählen. 

1. Präteritum

Das Präteritum ist die einzige Vergangenheitsform, die genau wie das Präsens nur durch die Konjugation des Verbs gebildet wird. 

Das Präteritum wird auch Imperfekt genannt. Es wird verwendet, um über abgeschlossene Handlungen, Zustände oder Fakten zu sprechen, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Das Präteritum wird vor allem in der schriftlichen Sprache oder in formellen Kontexten benutzt. 

Beispiele
➡️ Er lief den Berg hinauf.
➡️ Du lächeltest zufrieden.
In diesen Beispielen sind die vom Verb beschriebenen Handlungen (laufen und lächeln) bereits abgeschlossen.

Die Bildung des Präteritums unterscheidet sich je nachdem, ob du ein regelmäßiges oder ein unregelmäßiges Verb konjugierst. Bei regelmäßigen Verben hängst du nur eine Endung an den Verbstamm. Bei unregelmäßigen Verben ändert sich jedoch oft der Vokal im Verbstamm, oder auch der gesamte Verbstamm. Deswegen solltest du die wichtigsten unregelmäßigen Verben und ihre Formen auswendig lernen.

Beispiel
➡️ Präsens: Ich gehe zur Post.
➡️ Präteritum: Ich ging zur Post.
Das unregelmäßige Verb gehen ändert seinen gesamten Verbstamm, wenn es für das Präteritum konjugiert wird.

💡 Tipp
Eine Liste der wichtigsten unregelmäßigen Verben und ihrer konjugierten Formen findest du in unserem Artikel zum Thema unregelmäßige Verben.

Bildung: konjugiertes Verb (bei regelmäßigen Verben: Verbstamm + te, test, te, ten, tet, ten)

PersonalpronomenRegelmäßiges Verb: redenUnregelmäßiges Verb: gehen
Ichredete ging
Duredetestgingst
Er/Sie/Esredeteging
Wirredeten gingen
Ihrredetet gingt
Sieredetengingen 

2. Perfekt

Das Perfekt ist die am häufigsten benutzte Vergangenheitsform und wird auch vollendete Gegenwart genannt. Mit dem Perfekt kannst du über abgeschlossene Ereignisse sprechen, die immer noch eine Auswirkung auf die Gegenwart haben. Das Perfekt wird hauptsächlich in der gesprochenen Sprache verwendet. 

Um das Perfekt zu bilden, brauchst du entweder das Hilfsverb sein oder haben und das Partizip 2 deines Vollverbs. Das Hilfsverb konjugierst du für das Präsens und stellst es an die zweite Stelle im Satz. Das Partizip 2 steht ganz am Ende des Satzes. 

💡 Tipp
Wenn du dir unsicher bist, was genau das Partizip 2 ist und wie du die Partizip 2 Form von unregelmäßigen und regelmäßigen Verben bildest, dann schau dir gerne unseren Artikel zum Thema Partizip 2 an.

Die meisten Verben brauchen das Hilfsverb haben, um das Perfekt oder auch das Plusquamperfekt zu bilden. Nur Verben, die einen Übergang in eine Bewegung oder einen neuen Zustand beschreiben, benötigen sein als Hilfsverb.

Beispiele
➡️ Ich habe getanzt.
➡️ Wir haben einen Kuchen gebacken.
Die Verben tanzen und backen brauchen, wie die meisten Verben, das Hilfsverb haben.

➡️ Er ist verschwunden.
Das Verb verschwinden bezeichnet einen neuen Zustand, in dem etwas oder jemand nicht mehr da ist, deswegen wird das Hilfsverb sein benötigt.

Bildung: konjugierte Form von haben/sein (Präsens) + Partizip 2

PersonalpronomenRegelmäßiges Verb: redenUnregelmäßiges Verb: gehen
Ichhabe geredetbin gegangen
Duhast geredetbist gegangen
Er/Sie/Eshat geredetist gegangen
Wirhaben geredetsind gegangen
Ihrhat geredet seit gegangen
Siehaben geredetsind gegangen

3. Plusquamperfekt

Das Plusquamperfekt wird auch Vorvergangenheit oder vollendete Vergangenheit genannt.

 Es wird verwendet, um über Handlungen zu sprechen, die noch vor einer anderen Handlung in der Vergangenheit stattgefunden haben. Deswegen steht es häufig mit dem Präteritum oder Perfekt zusammen.

Beispiel
➡️ Sie hatte ein Buch gelesen, bevor sie einen Kaffee kochte.
In diesem Beispiel finden zwei Handlungen in der Vergangenheit statt. Die erste Handlung (ein Buch lesen) ist deswegen im Plusquamperfekt geschrieben, während die zweite Handlung (einen Kaffee kochen) im Präteritum formuliert ist.

Das Plusquamperfekt bildest du, indem du entweder das Hilfsverb sein oder haben für das Präteritum konjugierst und an die zweite Stelle im Satz stellst. Das Vollverb stellst du als Partizip 2 an das Satzende.

Bildung: konjugierte Form haben/sein (Präteritum) + Partizip 2

PersonalpronomenRegelmäßiges Verb: redenUnregelmäßiges Verb: gehen
Ichhatte geredetwar gegangen
Duhattest geredetwarst gegangen
Er/Sie/Eshatte geredetwar gegangen
Wirhatten geredetsind gegangen
Ihrhattet geredetseit gegangen
Siehatten geredetsind gegangen

Zeitformen: Zukunft

Es gibt im Deutschen zwei Zukunftsformen, das Futur 1 und das Futur 2.

1. Zukunftsform: Futur 1

Das Futur 1 wird verwendet, um über die Zukunft zu sprechen, du kannst es benutzen, wenn du Voraussagen triffst oder vermutest, dass etwas passieren wird. 

Du kannst es jedoch auch benutzen, um Drohungen oder Befehle in der Gegenwart zu formulieren.

Beispiele
➡️ Ich werde nach Norwegen reisen.
In diesem Beispiel plant die sprechende Person, nach Norwegen zu reisen.

➡️ Du wirst jetzt für deine Klausur lernen!
Dieser Satz ist im Futur 1 formuliert, ist jedoch ein Befehl, der sich auf die Gegenwart bezieht.

Du bildest das Futur 1, indem du das Hilfsverb werden für das Präsens konjugierst und an die zweite Stelle im Satz stellst. Das Vollverb stellst du im Infinitiv an das Satzende. Auf diese Weise bildest du die Futur 1 Form von allen Verben, weswegen das Futur 1 auch einfache Zukunft genannt wird.

Bildung: konjugierte Form von werden + Infinitiv

PersonalpronomenRegelmäßiges Verb: redenUnregelmäßiges Verb: gehen
Ichwerde redenwerde gehen
Duwirst redenwirst gehen
Er/Sie/Eswird redenwird gehen
Wirwerden redenwerden gehen
Ihrwerdet redenwerdet gehen
Siewerden reden werden gehen

2. Zukunftsform: Futur 2

Das Futur 2 wird auch vollendete Zukunft genannt. Es wird benutzt, um anzudeuten, dass etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft bereits abgeschlossen sein wird. Das Futur 2 wird selten benutzt, daher kann es ungewohnt klingen.

Beispiel
➡️ Wir werden einen Kuchen gebacken haben.
In diesem Beispiel spricht die sprechende Person von einem Zeitpunkt, an dem der Kuchen bereits fertig sein wird. Zu dem Zeitpunkt des Gesprächs ist der Kuchen jedoch noch nicht gebacken. 

Du bildest das Futur 2 mithilfe des Hilfsverbs werden, dem Partizip 2 deines Vollverbs und dem Infinitiv von entweder haben oder sein. Werden konjugierst du wieder für das Präsens und stellst es an die zweite Stelle im Satz. Das Partizip 2 stellst du an die vorletzte Stelle, und den Infinitiv von haben oder sein an die letzte Stelle im Satz. 

Bildung: konjugierte Form von werden + Partizip 2 + Infinitiv (haben/sein)

PersonalpronomenRegelmäßiges Verb: redenUnregelmäßiges Verb: gehen
Ichwerde geredet habenwerde gegangen sein
Duwirst geredet habenwirst gegangen sein
Er/Sie/Eswird geredet habenwird gegangen sein
Wirwerden geredet habenwerden gegangen sein
Ihrwerdet geredet habenwerdet gegangen sein
Siewerden geredet habenwerden gegangen sein 

Zusammenfassung

1. Es gibt sechs Zeitformen des Deutschen: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur 1 und Futur 2.

2. Die unterschiedlichen Zeitformen bildest du, indem du das Verb des Satzes unterschiedlich konjugierst und/oder verschiedene Hilfsverben benutzt. 

3. Die deutsche Gegenwartsform ist das Präsens. Das Perfekt, Plusquamperfekt und Präteritum sind die drei Vergangenheitsformen. Die Zukunftsformen des Deutschen sind das Futur 1 und das Futur 2. 

Häufige Fragen

Wie heißen die 4 Zeitformen?

Die sechs Zeitformen des Deutschen heißen Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur 1 und Futur 1.

Wie bildet man die 6 Zeitformen?

Das Präsens und Präteritum bildest du, indem du bestimmte Endungen an den Verbstamm hängst. Für das Perfekt und Plusquamperfekt benötigst du entweder die konjugierte Form des Hilfsverbs haben oder sein und ein Partizip 2. Das Futur 1 bildest du mit dem Hilfsverb werden und dem Infinitiv eines Vollverbs. Das Futur 2 besteht aus dem Hilfsverb werden, dem Partizip 2 eines Vollverbs und dem Infinitiv von entweder haben oder sein.

Was gibt es für Zeiten?

Das Präsens ist die einzige Gegenwartsform des Deutschen. Das Perfekt, Präteritum und Plusquamperfekt sind die Vergangenheitsformen, die Zukunftsformen des Deutschen sind das Futur 1 und das Futur 2. All diese Zeitformen bildest du mithilfe von Hilfsverben oder durch eine bestimmte Konjugation des Vollverbs.

Was sind die drei Zeitformen?

Es gibt im Deutschen sechs Zeitformen, das Präsens ist die einzige Gegenwartsform. Die Vergangenheitsformen sind das Präteritum, das Perfekt und das Plusquamperfekt. Das Futur 1 und das Futur 2 sind die Zukunftsformen des Deutschen.

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